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Was uns zu Weihnachten fehlt

Posted on December 23, 2018 at 9:05 PM
Was uns zu Weihnachten fehlt

Der Schnee, den man noch aus Kindertagen kannte und der so untrennbar zu Weihnachten gehört, wie Kekse und "Stille Nacht";
Diese eine, kleine, scheinbar unbedeutende Zutat für das Weihnachtsessen, die laut Rezept zwar nur in sehr geringer Menge beigefügt werden muss, dem Gericht aber jene spezielle und fast schon feierliche Note gibt, auf die sich alle das ganze Jahr über freuen;
Die Geduld, alle Jahre wieder stundenlang die Lichterketten zu entwirren und auch
Die Selbstbeherrschung, sich nicht allzu laut über sich selbst zu ärgern, weil man entgegen der im Vorjahr gefassten Vorsätze eben nicht rechtzeitig das Lametta gebügelt hat;
Genau zwei Servietten, um die Festtafel einheitlich zu dekorieren, nachdem sich die Schwiegereltern nun doch dazu entschlossen haben, den Heiligabend mit den Enkelkindern zu verbringen;
Die Ruhe, um eben diesen Kindern zuzuhören, wenn sie mit glühenden Wangen und leuchtenden Augen von ihren geheimsten, dem Christkind per Wunschzettel anvertrauten Träumen oder den Vorbereitungen zum Krippenspiel in der Schule erzählen;
All das, was uns auf der Reise durchs Leben abhanden gekommen ist, Menschen, Tiere, Dinge, die wir aus den Augen verloren haben, die sich uns entzogen haben, die wir zu selten sehen und die eine seltsame Leere hinterlassen haben;
Die Zeit, um sich in Ruhe hinzusetzen, in aller Stille und mit geschlossenen Augen in sich hineinzuhören und zu spüren, was war und was ist, was entsteht und was da kommt, was die Weihnacht bringt und was wirklich zählt.
(J)

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