Ausschnitte

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„Anna?! Anna! Du Schlafmütze! Es ist schon nach zehn! Wach endlich auf.“

Schlapp blinzelte ich zweimal und drehte matt den Kopf auf die andere Seite.

„Hey, du sollst aufwachen! Wir wollen dir endlich erzählen, was wir gestern alles herausgefunden haben. Und außerdem bekommst du um diese Zeit sowieso kein Frühstück mehr!“

Langsam schlug ich die Augen auf. Am Fußende meines Bettes standen Tom und Mark vollständig angezogen und beide mit einem breiten Grinsen auf dem Gesicht. Tibby stand neben mir und schüttelte mich nun mit beiden Händen durch. Mir wurde richtiggehend schwindelig davon.

„Äh, du kannst aufhören. Ich bin wach“, murmelte ich und fuhr mir mit der Hand über das Gesicht. Ich war noch so schläfrig. Ganz offensichtlich hatte ich darauf vergessen, Schlafpulver zu tanken, sonst wäre ich jetzt nicht noch so schlaftrunken.

„Oh, entschuldige!“ Tibby ließ von mir ab und lächelte verlegen.

Ich lächelte amüsiert und setzte mich in meinem Bett auf. Nachdem ich mit Tom die zweite Nachthälfte Wache geschoben hatte und dann um sechs gemeinsam mit den anderen den Protectere aufgehoben hatte, war ich noch mal ins Bett gekrochen und hatte mir sogar die Arbeit gemacht, meinen total zerknitterten Pulli und die Jeans durch den Pyjama zu ersetzen.

„Gibt es um die Zeit wirklich kein Frühstück mehr?“, fragte ich und begann, auf meiner Unterlippe herumzukauen.

„Nö!“, sagte Tibby. Ich senkte zerknirscht den Blick und versuchte nicht an das Loch in meinem Bauch zu denken.

„Aber wir haben dir was mitgebracht.“

In meinem Blickfeld erschien ein gut bestücktes Frühstückstablett und ich sah auf. Mark, der mir das Tablett auf den Schoß gestellt hatte, grinste und zog die Arme zurück.

„Nicht, dass du uns verhungerst“, schmunzelte Tom.

„Hey, danke, Leute“, sagte ich und sah alle der Reihe nach an. Tibby erwiderte mein Lächeln.

„Jetzt iss aber! Wir wollen dir erzählen!“, forderte sie mich auf.

„Oh, ja!“

Ich nahm den Löffel in die Hand und ließ mir von meinen Freunden dabei zusehen, wie ich Cornflakes und Marmeladetoast aß. Kaum dass ich fertig war, nahm mir Tom das Tablett wieder ab und sagte: „Zieh dich schon mal an! Mark und ich bringen das schnell in die Küche zurück. Wir treffen uns dann im Jungenschlafsaal.“

Und weg waren die beiden. Tibby hatte schon einen Pullover und eine neue Jeans aus meinem Koffer herausgesucht und mir auf mein Bett gelegt. Am Wochenende durften wir unter unseren schwarzen Mänteln das anziehen, was uns bequem schien und uns gefiel, wobei ich die Schuluniform auch nicht schlecht fand.

„Warum weißt du immer so genau, was ich auch gerade angezogen hätte?“, fragte ich meine beste Freundin, während ich mir den Pulli über den Kopf zog.

„Tja, das war eben wieder mal so ein Gefühl von mir, das sich dann als richtig erwiesen hat“, erklärte sie mit wichtiger Miene.

Ich lachte und begann mir durch die widerspenstigen Locken zu kämmen, während Tibby meine Bettdecke ordentlich hinlegte.

„Du hast vorhin so friedlich geschlafen, als wir essen gegangen sind, dass wir beschlossen haben, dich schlafen zu lassen. Sahst richtig süß aus, so tief im Land der Träume versunken.“

Ich grinste, steckte mir einen Teil meiner Haare mit einer Spange hoch und schlüpfte dann in meinen Mantel.

aus "Anna Minerva und das Geheimnis des sprechenden Spiegels"