Ausschnitte

7

Sie hob das frisch gebügelte Shirt hoch, schüttelte die Hitze des soeben darüber gestrichenen Eisens aus dem Stoff und strich ihn dann auf dem Brett vor ihr glatt. Noch während sie das Wäschestück faltete, spürte sie seine Präsenz im Raum. Schwach zwar, aber unverwechselbar. Sie beendete den Falzprozess, blickte auf und sah ihn dort stehen. Er hatte die Arme verschränkt, lehnte lässig am Türrahmen und beobachtete sie mit unergründlicher Miene. Sie konnte seine Gedanken förmlich sehen, wie sie hinter seiner Stirn wild durcheinander wirbelten. Es waren weder Lüsternheit noch Begehren in seinem Blick, aber dennoch etwas, das sie wie magisch anzog. Seine Augen waren auf die ihren gerichtet, mit ruhigem Interesse und einer Wachheit, die sie gefangen hielt, unfähig, sich zu rühren oder den Blick von ihm abzuwenden. Stattdessen standen sie sich quer über den Raum hinweg gegenüber, blind und taub für jeden Einfluss von außen, für einen Augenblick nur versunken in der gegenseitigen Betrachtung, in ihrem eigenen kleinen Kosmos.

Entstanden im Rahmen der Jane-November-Challlenge 2019 auf https://www.instagram.com/janeschreibt/

Nächste

0